Samstag, 29 April 2017

Herbstauktion der Villa Grisebach in Berlin:

250. Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts bis Zeitgenössischem

von POUR-ERIKA-REDAKTEUR  Rüdiger Dietrich Kunst Donnerstag, 19 November 2015 17:50
Bildschirmfoto vom 19.11.2015 | Herbstauktion 2015, Grisebach Bildschirmfoto vom 19.11.2015 | Herbstauktion 2015, Grisebach
Quelle: http://www.grisebach.com/de/auktionen/kataloge/

Berlin - Die diesjährige Herbstversteigerung der Villa Grisebach in Berlin, die vom 25. bis 28. November stattfindet übertrifft mit 1658 Losen noch ihr Programm vom vergangenen Jahr. Auch die diesjährige mittlere Gesamtschätzung für die zum Aufruf vorgesehenen Lose liegt mit etwa 23 Mio. € deutlich höher als 2014. Das Angebotssortiment reicht traditionell von der Kunst des 19. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Fotographien sowie Exponaten der vom Auktionshaus 2012 ins Leben gerufenen sogenannten Orangerie, wie sich die Abteilung mit ausgewählten Objekten nennt. Diese ausgewählten Werke gelangen zur 250. Auktion des Hauses am 26. November unter den Hammer, während am Vortag die Werke des 19. Jahrhunderts den Auftakt der Herbstauktion bilden. Die zeitgenössische Kunst beherrscht die Tagesordnung dann am 27. November. Das gesamte Programm ist in acht Einzelkatalogen verzeichnet.

Die Hauptlose entstammen besagter Orangerie und werden unter den Losnummern 23 und 65 auktioniert. Ersteres ist das Gemälde mit dem Titel „Helles Sonnenblumenbild“ von Emil Nolde aus dem Jahre 1936, welches ebenso wie das mit der Losnummer 65 geführte Werk „Bildnis eines jungen Mädchens“ von Max Beckmann eine obere Taxierung von 1,5 Mio. € aufweist. Das ausgerechnet diese beiden Künstler die Hauptlose stellen, gibt der Auktion eine in gewissem Sinne breite Aufstellung. Während Emil Nolde stilistisch dem Expressionismus zuzuordnen ist, ja sogar als einer deren führenden Maler gilt, lehnte Beckmann hingegen den Expressionismus ab. Nicht uninteressant ist auch, dass bezüglich Beckmanns unvollendetem „Bildnis eines jungen Mädchens“ in Öl und Farbkreide auf Leinwand im Vorfeld die FAZ im Feuilleton einen Vergleich mit Matisse anstellt, obgleich sich Beckmann selbst als neokonservatives Gegenmodell zu radikalabstrakten Malern wie Henri Matisse, Pablo Picasso oder auch der Gegenstandslosigkeit eines Wassily Kandinsky verstand. Beckmann setzte Moderne und Kubismus vielmehr bewusst eine eigenwillige Räumlichkeit entgegen.

 

Zudem ist Beckmanns Landschaftsimpression eines „Holländischen Radfahrwegs“ mit bis zu 700.000,- € ausgezeichnet. In etwa die Hälfte dessen erwartet das Auktionshaus für Karl Hofers „Sitzender Akt mit blauem Kissen“, das 1935 von der Gestapo beschlagnahmt und in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 gezeigt wurde. Mit bis zu 450.000,- € taxiert Villa Grisebeck „Die große Seestraße in Wannsee“ des Impressionisten Max Liebermann von 1926. Teuerstes Los der zeitgenössischen Kunst ist von 1980 das Marwan-Werk eines expressiv abstrahierten Kopfes, der bis zu einer Viertelmillion Euro erzielen soll. Etwas darunter ist auch ein Andy Warhol im Angebot. - Man darf gespannt erwarten, ob diese Herbstauktion das hält, was es verspricht: an namhaften Künstlern hierfür mangelt es zumindest nicht.

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