Samstag, 29 April 2017

Schloss Obernzell bei Passau:

Ausstellung zum 100. Geburtstag des „Kaisermalers“ Rudolf Wimmer

von POUR-ERIKA-REDAKTEUR  Rüdiger Dietrich Kunst Dienstag, 17 November 2015 17:02
Schloss Obernzell Schloss Obernzell
Quelle: de.wikipedia.org | High Contrast | CC BY 3.0

Passau - Im Schloss Obernzell bei Passau, das dessen Fürstbischöfe im 15. Jahrhundert als gotische Wasserburg errichten und im 16. Jahrhundert zu einem repräsentativen Renaissanceschloss ausbauen ließen, findet noch bis zum 03. Januar 2016 eine Ausstellung zum sogenannten „Kaisermaler“ Rudolf Wimmer (189 – 1915) anlässlich dessen 100. Todestages statt. Seit der Hofmaler Kaiser Wilhelms II. und der bayerischen Wittelsbacher, der darüber hinaus auch viele andere Adelsfamilien und Persönlichkeiten porträtierte, verstarb, geriet er, trotz seines Renommees zu Lebzeiten – man nannte ihn in einem Atemzug mit Franz von Lenbach -, kontinuierlich in Vergessenheit. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass Rudolf Wimmer auch in den zahlreichen gegenwärtigen Veröffentlichungen zur bildenden Kunst der ausgehenden Kaiserzeit nicht gewürdigt wird, obwohl er das offizielle Bild des Kaisers wie kaum ein anderer Maler prägte. Doch gerade dies dürfte Anlass zu erhöhtem Interesse an der Ausstellung sein.

Der Kunsthistoriker Florian R. Taitsch, der auch als Kurator der Ausstellung fungiert, schreibt hierzu in seiner Dissertationsarbeit über Rudolf Wimmer: „Wie Erich Muther 1893 bemerkt, wurde stets die Erinnerung an jene Maler „eingesargt“, die nicht mehr ins Bild, das sich nachfolgende Generationen von der Epoche erwarteten, passten. Oder aber mit den Worten von Sibylle Einholz zu sprechen: "Auch Kunstgeschichte wird von Siegern geschrieben." Insofern hat sich Florian Taitsch verdient gemacht, diesen Künstler der Gefahr des Vergessens zu entreißen, denn zweifelsohne ist Rudolf Wimmer als einer der bedeutendsten Künstler, zumindest des niederbayerischen Raums im 19. Jahrhundert zu bezeichnen. Aus Anlass seines 100. Todestages widmet ihm die Gemeinde Obernzell nun erstmals eine umfassende Ausstellung, die den Besucher neben seinem malerischen Werk auch das Umfeld in seinem Geburtsort Gottsdorf, seiner zweiten Heimat München und dem Berlin der Kaiserzeit näher bringt. Hierzu werden neben Gemälden auch Grafiken von ihm und Utensilien aus seinem Atelier-Umfeld gezeigt.

 

Wimmer soll über 70 Gemälde des Kaiser angefertigt haben. Durch sein enges, ja freundschaftliches Verhältnis zum Prinzregenten Luitpold verfügte er über intime Einblicke ins Haus Wittelsbach, die sich in seinen Portraits wiederfinden lassen. Zahlreiche seiner Bilder setzten sich jedoch auch mit der Entwicklung der Wissenschaft auseinander, wovon beispielsweise die in der Schau zu sehende Fotoreproduktion eines Portraits Joseph von Fraunhofers zeugt, das zusammen mit einem Bild des Mathematikers Friedrich Gauß im Jahr 1905 vom Prinzregenten für die Portraitsammlung im Ehrensaal des Deutschen Museums in Auftrag gegeben wurde. Darüber hinaus ist Kurator Friedrich R. Taitsch bemüht Rudolf Wimmer auch als Maler von Landschaften und sakraler Themen vorzustellen. - Für jeden ästhetischen Nostalgiker der Zeit der Monarchie dürfte sich diese Ausstellung von selbst empfehlen. Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

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