Samstag, 29 April 2017

Städel-Museum

Maniera – Intensität der Gefühle

von POUR-ERIKA-REDAKTEUR  Rüdiger Dietrich Kunst Sonntag, 13 März 2016 14:04
Ausstellungsansicht „1815 & 2015. Die Jubiläumswand“ Ausstellungsansicht „1815 & 2015. Die Jubiläumswand“
Foto: Städel Museum

Frankfurt – 120 Leihgaben aus aller Welt hat die noch bis zum 05. Juni gehende Ausstellung "Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici" im Frankfurter Städel-Museum aufzubieten. Das Städel Museum präsentiert mit „Maniera“ ein faszinierendes Kapitel der italienischen Kunstgeschichte, das unmittelbar auf Botticellis Schaffensphase folgt und außerhalb von Florenz sonst nirgends in dieser Fülle und Dichte zu sehen ist. Über 120 kostbare Leihgaben, darunter Gemälde, aber auch Zeichnungen und Skulpturen, bieten eine noch nie dagewesene Übersicht dieser stilprägenden Epoche. Als Manierismus bezeichnet man die Übergangsform zwischen Renaissance und Barock, die sich von der harmonischen und ausgewogenen Darstellungen der Hochrenaissance abwandte, um mittels gezierter, kapriziöser und spannungsgeladener Kompositionen nach Dramatik, Komplexität und Vieldeutigkeit zu streben. Es ging weniger um perspektivische Plausibilität als vielmehr um eine Intensität der Gefühle.

Obwohl bereits der Architekt, Maler und Biograph italienischer Künstler Giorgio Vasari den Stil des späten Michelangelo als „maniera moderna“ bezeichnete, 

dauerte es noch lange bis mit dem Begriff Manierismus eine ganze Kunstepoche bezeichnet wurde. Im Jahre 1796 veröffentlichte der italienische Historiker Luigi Lanzi eine umfangreiche an Stilmerkmalen orientierte Enzyklopädie der italienischen Malerei, in der erstmals dieser Begriff für die Charakterisierung einer Stilrichtung eingesetzt wird, wenngleich auch abwertend auf die Malerei nach Raffael bezogen. Doch letztendlich führte erst der Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt (1818-1897) den Manierismus als kunsthistorischen Epochenbegriff in die Kunstgeschichte ein. Der Manierismus war seinerzeit kein volkstümlicher Stil, sondern eher eine Kunstrichtung für das intellektuelle Hofleben. Auch in der Darstellung der Räume suchten die Künstler nach Neuem, indem der Hintergrund und ebenso die Beziehung der Figuren zum Raum oft unscharf bleiben. Weitere besonders spannende Stilelemente des Manierismus sind das Spiel mit der Erotik sowie die allegorische oder mythologische Abbildung, wodurch die Phantasie des Betrachters angeregt werden sollte, und eine Interpretation der Werke nur gebildeten Personen möglich war.  
 
Ausgangspunkt der groß angelegten Sonderausstellung ist ein Hauptwerk der Städel-Sammlung, und zwar kein Geringeres als Bronzinos um 1533 geschaffenes berühmte Bildnis einer Dame in Rot, das zu den kostbarsten Stücken im Besitz des Hauses zählt. Besondere Unterstützung erfährt das Projekt durch die Florentiner Museen, insbesondere die Uffizien, die Galleria dell’Accademia und die Galleria Palatina. Weitere zentrale Leihgaben kommen u. a. aus dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem J. Paul Getty Museum in Los Angeles, der National Gallery of Art in Washington, dem Louvre in Paris, dem Prado und dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, der Staatsgalerie Stuttgart, dem Szépművészeti Múzeum in Budapest sowie aus der Brera in Mailand.

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