Samstag, 29 April 2017

Europol

Mindestens 10.000 minderjährige Asylbewerber verschwunden

von POUR-ERIKA-REDAKTEUR  Susanne Hagel Politik Mittwoch, 03 Februar 2016 05:07
Europol - Der neue Hauptsitz in Den Haag Europol - Der neue Hauptsitz in Den Haag
Bildquelle: de.wikipedia.org | Pikachu | CC BY-SA 3.0

Den Haag - Die europäische Polizeibehörde Europol erklärte am Sonntag in Den Haag, dass seit Beginn der Asylkrise mindestens zehntausend minderjährige Asylanten verschwunden seien. Bei einem Großteil der Verschwundenen handele es sich um Afrikaner.

„Dies bedeutet nicht, dass allen etwas passiert ist“, betonte ein Sprecher. „Ein Teil (…) könnte sich tatsächlich bei Verwandten aufhalten.“ Die Minderjährigen, die meist älter als vierzehn Jahre sind, seien im Zeitraum der letzten zwei Jahre verschwunden. Sie gelten als „potenziell gefährdet“.

 

Wie Viviana Valastro, Sprecherin der Hilfsorganisation „Save the children“, erklärte, gelten allein in Italien etwa fünftausend alleinreisende Jugendliche als vermisst. Sie geben ihr Alter in der Regel zwischen fünfzehn und siebzehn Jahren an und fast alle stammen aus Eritrea, Somalia oder Syrien. Valastro geht davon aus, dass der überwiegende Teil von ihnen schlichtweg weitergezogen ist. „Sie sagen uns schon bei ihrer Ankunft in Süditalien, dass sie da nicht bleiben wollen, sondern andere Länder als Ziel haben.“ Meist seien es die ältesten Söhne der Familie, die nach Deutschland oder in die skandinavischen Länder sowie Großbritannien geschickt werden. Ein Problem seien die Schlepper, die ihnen bei der Weiterreise helfen: „Dadurch werden die Schulden, die sie anhäufen und abzahlen müssen, immer größer.“

 

Ähnliches beobachteten die Behörden in Schweden: Vor allem junge Männer kurz vor der Volljährigkeit verschwinden hier spurlos. Es sind vor allem Marokkaner, Algerier und Afghanen. Die Einwanderungsbehörde hat bisher rund dreihundert solcher Fälle im vergangenen Jahr registriert.

 

Wer in Deutschland als Minderjähriger ohne Eltern einreist, genießt besonderen Schutz. „Bei allen Entscheidungen, die allein reisende Kinder und Jugendliche betreffen, ist das Kindeswohl vorrangig zu beachten“, erklärt Ulrike Schwarz, Juristin des Bundesfachverbandes für Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMF). Weder dürfen sie abgeschoben, noch gemäß des Dublinverfahrens in das Land zurückgeschickt werden, über das sie die EU betraten. Wird der Nachweis erbracht, dass sie in einem anderen EU-Land Verwandte habe, dürfen sie, so sie denn wollen, zu ihnen ziehen. Statt in den großen Sammelunterkünften versorgt zu werden, kümmern sich die Jugendämter um die Minderjährigen. Neben einer möglichst umfangreichen sozialen Betreuung durch Pädagogen, werden sie so schnell wie möglich integriert.

 

All diese Annehmlichkeiten haben sich natürlich herumgesprochen: Immer mehr Minderjährige erreichen deshalb alleine die deutsche Grenze. Etwa neunzig Prozent von ihnen sind junge Männer, meist nahe an der Schwelle zur Volljährigkeit. Und nicht selten geben sich junge erwachsene Männer als minderjährig aus, um von dem besonderen Schutzstatus zu profitieren.

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